Restaurantkritik
Ies para volverse loco
Nörgeln ist toll. Ich nörgle immer. Man bin ich am Nörgeln. Soll’n doch die anderen erzählen, wie toll das überall ist. Ich nicht! Stehe im Gastrodreck. Höre es immer nur über mich. Immer wieder das zu große Steak, was zu klein ist und doch lieber schön medium gebraten sein sollte, eben richtig durch. Die andern soll’n auch leiden...
...Komme gerade aus dem Urlaub, und schon geht der Pöbel mir wieder auf den Sack. Das kann ich auch selber. Überall die dämlichen Plakate, el loco ¡me vuelvo loco! Das ist mir aber eine Einladung! Denen werd ich‘s zeigen, Spanisch werd ich die lehren. Skeptisch, man bin ich skeptisch. Schleiche rein. Mission: unentdeckt spionieren. Gescheitert. Werde sofort begrüßt. Mit Lächeln. Ein Koch, das hilft. So einer, immer unfreundlich. Zicke! Der grüßt niemals! Er grüßt. Mist. Ein Glück, das Lokal ist leer. Da kann ich aber nörgeln.
Setzte
mich ins Fenster. Mein Weib, die Göttliche, wollte nicht her. Das
letzte Tex-Mex- Desaster, damals von unseren Helden des Weltwurstblattes
gewünscht, sitzt tief. Begreift die denn gar nichts? Gehe hier zum
Nörgeln rein, hat sie doch so zu Hause Ruhe. Nun suchen. Tischdeckchen
als Speisekarte, wunderbar. Abwaschbar. Na ganz toll. Tradition aus dem
letzten Jahrtausend. Das schärfste Restaurant der Welt. ¡es para
volverse loco! Wenn die jetzt Tabasco bringen! Superlative! Gleich hab
ich die. Offener Kochtresen, Paradies für Nörgler. Doch die Jungs sind
gut. Tarnen sich. Alles sauber! Getürkt! Niemals kochen die hier.
Bestelle Burger. Ich liebe Burger. Leider – der große ist nur klein: 180
Gramm. Küchenbulle legt was auf den Grill. Sehe nichts. Sitze zu tief.
Sehe was anderes. Entsetzlich. Es ist furchtbar. Grauenhaft. Meine
Herzensschöne lächelt noch. Ahnt nicht, was ihr zu Hause blüht. Der
Mensch mit Kochjacke nimmt eine Pfanne. Eine richtige Pfanne! Eine, die
er zu benutzen weiß. Offensichtlich! Mir stockt der Atem. Gibt Teig in
die Pfanne. Richtigen Teig! Macht Maispfannkuchen. Er! Höchstselbst.
Habe verloren. Habe das falsche Essen bestellt. Kann unmöglich nörgeln.
Werde zu Hause mein Weib vollnörgeln müssen.
Schaue mich
hilfesuchend um. Bis auf ein paar Hüte sieht es gar nicht kitschig
mexikanisch aus. Der Kellner ist wirklich freundlich. Was soll ich nun
noch nörgeln? Sehe noch andere Gäste, die haben Spaß! Beim Essen! Jubeln
beim Hantieren mit kleinen Soßenflaschen. Und ICH? Mein Burger kommt.
Wirklich nicht groß, aber sehr sehr lecker. Scharf. Zumindest etwas.
Bekomme auch Holzkasten mit Soßen. Nummer 1-10. Sollen scharf sein.
Probiere die ersten drei. Burger wird noch leckerer. Das Zeug schmeckt
nicht nur scharf. Auszuhalten. Lese von Meisterschafen. Das ist was für
mich. Da könnt ich noch nörgeln gehen. Mann, würd’ ich gern noch
nörgeln – über die Flaschen, den Burger, die Bilder. Aber die Schärfe
schafft Frieden. Mein Weib, die schönste aller, verweigert immer noch
Essen. Ich strahle. Endlich ein Essen, für mich alleine! Komme wieder!
Später nimmt sie dann doch noch Quark. Lecker, extrem. Ok, wir hatten
beide was. Nur nichts zum Nörgeln! Na ja, hab mein Weib dabei. Frisur,
Klamotten, Fahrstil …
geschrieben am 22. April, 2009 von Jacob Kalliebe









